CDU Wiesloch

Ja zum Schulstandort Wiesloch

Ja zur Schulentwicklung, zur Gemeinschaftsschule und zur Ganztagesgrundschule, ...

In der letzten Gemeinderatssitzung vor den Sommerferien ging es am 17. Juli unter anderem um die zukünftige Schulentwicklung in Wiesloch.
 
In der Sitzung hielt Adrian Seidler die nachfolgende Stellungnahme für die CDU-Fraktion: 

Statement Gemeinderatssitzung 17.7.13

 

Auch, wenn wir wahrscheinlich gleich etwas anderes hören werden, so war in der baden-württembergischen Bildungspolitik nicht alles schlecht. Im Gegenteil. An dieser Stelle sei der Hinweis auf die nationalen Vergleiche in der PISA-Studie erlaubt. Jedoch war auch nicht alles gut. Im internationalen Vergleich hat die deutsche Bildungsrepublik noch viel Luft nach oben.

Für uns ging es um die Frage was ist am besten für den Schulstandort Wiesloch und daher können und wollen wir als CDU-Fraktion die Augen nicht vor den Fakten und der Realität verschließen. Und so ist es nun mal so, dass wir für beide Wieslocher Werkrealschulen nur noch 13 Anmeldungen haben. Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung hat diesen Prozess sicherlich unnötig beschleunigt, aber zu aller Offenheit gehört nun mal auch, dass diese Entwicklung nicht erst mit der neuen Landesregierung begann. (Nebenbei: „Jeder zehnte Fünftklässler ist versetzungsgefährdet“, schwaebische.de, 23.4.13)

Aufgrund der sich veränderten Rahmenbedingungen bedeutet gerade in der Bildungspolitik Stillstand gleich Rückschritt. Und so war es insbesondere für uns in der CDU-Fraktion ein Prozess mit vielen Gesprächen – mit Eltern, Rektoren und Lehrern von Grundschulen, weiterführenden Schulen und Berufsschule – bis zur Befürwortung des vorliegenden Verwaltungsvorschlages und zur Zustimmung der Umwandlung der Werkrealschulen in eine Gemeinschaftsschule.

Gleichzeitig kritisieren wir grundsätzlich die überstürzte Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg („GEW-Studie mahnt zu Gründlichkeit statt Schnelligkeit“, news4teachers.de, 8.3.13). Kritik gab es vom Städtetag, vom Gemeindetag, einer Vielzahl von Lehrerverbänden, sowie der GEW. Dies zeigt, dass die Einführung große Mängel hat. Dies geschieht wahrscheinlich aus Sorge der grünen-roten Landesregierung vor der kommenden Landtagswahl und dient wohl der schnellen Schaffung von Fakten. So sind noch einige Fragen offen: Lehrerausbildung, Richtlinien bei der Schulbauförderung,  regionale Schulentwicklungsplanung, Lehrpläne,  …

(„Thorsten Bohl verlangte aber für die weiteren Antragsrunden zur Gemeinschaftsschule klare Strukturvorgaben, Rahmenbedingungen und Zeitvorgaben für die kommunale Bildungsplanung“ … Ein Blick auf die bestehenden Gemeinschaftsschulen zeige, dass die Umsetzung der pädagogischen Konzepte und der Aufbau des Ganztagsbetriebs sehr aufwendig seien und bisher unzureichend unterstützt würden, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz am Freitag bei der Vorstellung der "Expertise Gemeinschaftsschule". Auch für die anderen Schularten fordert die Gewerkschafterin mehr Unterstützung.“ Quelle: Welt.de, 8.3.13)

Auch aus diesem Grund hatte es die CDU nicht so eilig, mit dem Paradigmenwechsel. Einen Schulkonsens aller im Landtag vertretenden Parteien, ähnlich wie in NRW, wäre wünschenswert gewesen bzw. ist wünschenswert.

Zu begrüßen ist jedoch auch, dass die Verwaltung nicht mehr auf eine Antragsstellung in 2013 picht. Wir waren die ganze Zeit schon dafür aus den Erfahrungen anderer Schulen und Kommunen zu lernen und sind für eine Antragsstellung frühestens in 2014.

Aber die Situation ist nun mal so, wie es ist. Und für uns als Wieslocher CDU geht es darum die beste Lösung für den Schulstandort Wiesloch zu finden.


Ganztagesgrundschule

Einigkeit besteht wohl in der Notwendigkeit einer Ganztagesgrundschule in Wiesloch. Verwaltung, der externe Berater Dr. Appel und der Arbeitskreis Schulentwicklung stimmen überein, dass in der Maria-Sybilla-Merian-Schule gestartet werden soll, weil der dortige Standort am Geeignetsten ist. Auch wir von der CDU stimmen hierbei zu. Wobei dies sicherlich erst der Anfang für die Ganztagesschule sein wird. Dieses Thema wird den Rat sicherlich in den nächsten Jahren weiter beschäftigen.

Diese Notwendigkeit ergibt sich aus der wandelnden Berufswelt und dem Bedarf vieler junger Familien. Die stetig steigende Zahl von Ganztageskindergärten und in der Kernzeitbetreuung sind hier die Vorboten. Und umso früher wir die Plätze an einer bzw. den Ganztagesgrundschule zur Verfügung stellen können, desto besser.

Wegen dieser Notwendigkeit ist unser Wunsch an das Kollegium der Maria-Sybilla-Merian-Schule baldmöglichst die Ganztagesschule auf den Weg zu bringen. Wir möchten hierzu das politische Signal setzten und haben so viel Vertrauen in das Kollegium, dass wir glauben die beteiligenden Personen vor Ort können am besten beurteilen, ob sie den Antrag in diesem Jahr oder im kommenden Jahr stellen können bzw. wollen. Eine Antragsstellung in diesem Jahr halten wir jedoch – rein organisatorisch – für kaum machbar.

Ob eine gebundene Ganztagesgrundschule (also verpflichtend von 8-16 Uhr) schulrechtlich möglich ist, kann wohl erst nach Vorlage des Konzeptes geprüft werden. Daher bestehen wir nicht auf das Wort „gebunden“ in der Antragsformulierung.

Was wir uns nicht wünschen ist eine Mischung, also 2 Klassen in einem Ganztagesbetrieb und eine Klasse in einem Halbtagsbetrieb. Wenn wir nun viel Geld investieren, um Ganztagesbetrieb zu ermöglich, dann möchten wir, dass möglichst viele Kinder den Ganztagesbetrieb nutzen können. Möchte eine Familie keinen Ganztagesbetrieb, so gibt es in Wiesloch Alternativen. Dieses politische Signal möchten und müssen wir geben. Ob dies dann nun eine gebundene Schule sein muss oder ob es andere Alternativen gibt, können die Pädagogen vor Ort am besten beurteilen. Schwer vorstellbar ist auch für uns, dass Grundschulkinder 8 Stunden unterrichtet werden. In unseren Augen sollte sich das Kollegium jedoch für einen echten Ganztagesbetrieb öffnen. Andere Grundschulen werden schon bald nachziehen müssen. Heute geht aber um den Moment! Nochmal: Umso früher, desto besser!

Gemeinschaftsschule

Beeindruckend war das sehr wohlwollende Plädoyer einer Elternvertreterin über die Gerbersruhschule auf der letzten Sitzung des Arbeitskreises Schulentwicklung. Aber was nützen die besten Programme, die beste Unterstützung für die Schüler, tolle Projekte, gute Ergebnisse und vor allem die beste Betreuung für lernschwache Schüler, wenn die Eltern und Schülern sich gegen kleine Klassen und motivierte Lehrer entscheiden?

An den Wieslocher Werkrealschule wurde und wird eine sehr gut pädagogische Arbeit geleistet. Dennoch entscheiden sich die Eltern dagegen. Leider!

Dennoch erachten wir es für wichtig an den Hauptschulabschluss auch weiterhin in Wiesloch anbieten zu können. Denn Wiesloch ist auch eine Schulstadt in der beide Werkrealschulen in der Vergangenheit gute Arbeit leisten und geleistet haben.

Die Gemeinschaftsschule wird eine neue Schule, eine neue Form des Lernens sein. Der neuseeländische Pädagoge und Erziehungswissenschaftler John Hattie hat in seiner anerkannten und bekannten  Hattie-Studie in der er 80.000 Studien zur Bildung verglich, Indikatoren für gute Schülerleistungen definiert und diese in einer Rangliste eingeordnet. Viele dieser Indikatoren finden sich in dem Konzept Gemeinschaftsschule wieder. Aber auf ZEITonline heißt es auch:

Die Befunde der jüngsten XXL-Analyse wirken wie ein Gegenstück zur gängigen Reformeuphorie – sie sprechen für die Verfeinerung von Bewährtem.“

Daher sind wir optimistisch, dass keine 180Grad Drehung notwendig ist.

Es sprechen aber auch weitere Gründe für die neue Schulform:

ð  Gebundener Ganztagesbetrieb („Gesellschaft fordert es“)

o   Und so ist eine Gemeinschaftsschule vor allem auch eine Investition in eine Ganztagesschule

ð  Inklusion (Menschenrecht) è ein wichtiges Anliegen für uns.

ð  Stigmatisierung“ von Hauptschülern hat ein Ende.

ð  Alle werden mitgenommen

ð 

Wir von der CDU sind offen für diese neue Schulform. Auch, weil es mittlerweile die Schulen wollen. Insbesondere an der Gerbersruhschule haben wir diesen Prozess von „vorsichtiger Skepsis“ bis hin zu „ja wir wollen“ erlebt. Eine große Motivation und Aufbruchsstimmung ist dort nun zu spüren. Von zwei Lehrerinnen der Gerbersruhschule hörten wir folgendes: „die Gemeinschaftsschule ist der beste Weg, dass kein Kind hinten runter fällt.“

Ob dies so sein wird, wird sich zeigen. Wir hoffen es! Letztendlich entscheiden die Eltern und die Schüler. Ebenso wird sich zeigen, ob alle die Hoffnungen der neuen Landesregierung und Versprechungen in Erfüllung gehen werden. Die Gemeinschaftsschule ist in unseren Augen per se – wie das heutige System – weder gut noch schlecht. Es kommt drauf an was vor Ort draus gemacht wird. Hier sind wir guten Mutes. Und es kommt auch drauf, welche Ressourcen (finanziell und personell) das Land bereitstellt. Hier sind wir mehr als skeptisch und es bleibt kritisch abzuwarten, wie ernst es das Land meint. (Stichwort: Einsparungen bei Lehrern, Förderung)

Wir alle können nicht in die Glaskugel schauen. Vielleicht entscheiden sich die Eltern in zehn Jahren zu 100% für die Realschule, vielleicht auch für die Gemeinschaftsschule. Gerade weil wir dies heute nicht wissen, ist der Weg die neue Schule am Schulzentrum entstehen zu lassen optimal. Nicht nur aus pädagogischer Sicht, sondern auch aus finanzpolitischer Sicht. An der Realschule besteht seit vielen Jahren Sanierungsstau, welchen wir mit dem Weg „Zwei Schulen unter einem Dach“ lösen können. Vor allem sind wir als Schulträger in der Zukunft flexibel. Aber keine Frage es handelt sich um einen finanziellen Kraftakt für die Stadt.

Aber im Schulzentrum lassen sich auch Synergieeffekte realisieren (z.B. Probeunterricht am Gymnasium, etc.)

Das Konzept der Gerbersruhschule im 1. Schritt eine Ganztagesschule zu werden und dann erst im 2. Schritt eine Gemeinschaftsschule zu werden ist in unseren Augen positiv.

Für den Moment wollen wir die Chancen ergreifen, und keine Risiken eingehen.

Zur Realschule: wir halten es für gut, dass die Gemeinschaftsschule ein weiteres Angebot für den mittleren Bildungsabschluss bietet. Wir möchten die Wahlfreiheit der Eltern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach sich am 13.11.2012 auf einer Regierungskonferenz für das Zwei-Säulen-Modell (Gymnasium und Gemeinschaftsschule) in der Bildung aus. Mit uns wird dies nicht zu machen sein. Die CDU steht zur Realschule. Sollte die Entwicklung in der Zukunft eine andere sein, werden wir uns neu orientieren. Dieser Impuls sollte jedoch nicht von grün-rot kommen, sondern vom Kollegium und/oder von den Eltern.

ð  Daher beantragen wir, dass die Formulierung „Einbindung der Bertha-Benz-Realschule bei den Planungen“ wieder in die Formulierung aufgenommen wird. Wir glauben, dass es nur gemeinsam geht.

Unsere Berufsschulen und insbesondere die beruflichen Gymnasien haben sich bewährt.

ð  Daher beantragen wir die Formulierung „Weiterentwicklung der Werkrealschulen ohne Oberstufe“. Es soll auch keine Konkurrenz zu den Berufsschulen entstehen.

Für die Übergangszeit in der Bauphase sehen wir nun den Standort an der Gerbersruhschule in Wiesloch. Vor allem, weil die Pestalozzischule keine 5. Klasse haben wird. Allein aus diesem Grund kann dort keine Gemeinschaftsschule entstehen.

Abschließend:

Es liegt an uns im Vorfeld die bestmögliche Voraussetzungen für den Bildungserfolg der Kinder zu schaffen. Und damit die Gemeinschaftsschule keine Totgeburt wird, müssen wir es gemeinsam schaffen die Eltern davon zu überzeugen, dass die Gemeinschaftsschule etwas Neues ist und keine Fortführung der Werkrealschulen.

In der Praxis liegt es dann an der Realschule und an der neuen Gemeinschaftsschule sich mit den bestmöglichen Konzepten zu behaupten.

Beruflich habe ich den Slogan „Arbeitsraum = Lebensraum“ und „Arbeitszeit = Lebenszeit“. In gleichermaßen gilt dies auch für den Schulbereich. Es ist selbstverständlich, dass eine Schule keine Aufbewahrungsstelle sein darf. Ruheräume, Lerninseln, Spielecken, Mensa etc. sind ebenso selbstverständlich.

Dafür müssen die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Jedoch soll dies kein Freibrief sein. Alles muss finanziert und bezahlbar bleiben. Auch dies ist Zukunftspolitik für die Kinder.

Hierfür steht die CDU Wiesloch

Offene Fragen und Forderungen:

ð  Prüfung, ob es schulrechtlich möglich ist an der MSMS einen gebundenen Ganztagesbetrieb zu machen?

ð  Wie sieht der Plan B für die Übergangszeit aus, wenn es Verzögerungen beim Bauen geben sollte?

ð  Wir bitten die Verwaltung die Schülerprognosen mit dem Kreis abzustimmen.

ð  Für den Planungszeitraum und später in der Bauphase möchten wir in den Ausschüssen regelmäßige Informationen und Berichte (Konzepten) und ein Kostencontrolling (Bauphase) – mindestens einmal im Quartal.

 

Zu guter Letzt:

 

Danke an alle Beteiligten, an Lehrer, Rektoren, Eltern, Verwaltungsmitarbeiter usw. die sich an der Entwicklung beteiligt hatten und werden